Führers Geburtstag

Am 1. September 1939 haben wir Deutsche Polen überfallen. Mein Vater war als engagierter Kradmelder mit Beiwagenmaschine dabei, 20 Jahre jung, 1er Abitur, sportliches Ass, Klavier-Orgel und Akkordeonspieler (vgl. Hermann Krämer: „Das Akkordeon von Stalingrad, Zur Erinnerung an Victor Nekrassov, in ‚Der Heimkehrer,1.11.94‘“). Zuletzt Oberleutnant als Aufklärungsflieger in Stalingrad, vielfach ausgezeichnet u.a. Ehrenpokal der deutschen Luftwaffe. Oberst Mölders flog z.B. am 25.6.41 den Jagdschutz. Mein Vater und seine 3 (Soldaten)Brüder überlebten den Krieg, was mir und meinen 6 Geschwistern das Leben schenkte. Ein weitgehend durch meine Eltern unaufgeklärtes Leben über die Geschehnisse im Zweiten Weltkrieg, ohne Gespräche mit mir als Zeitsoldat der Bundeswehr. Umgekehrt, die Eltern bis heute liebend, schaffte ich es leider auch nicht.

So wurde und wird das Traumata der Kriegsgeneration auf die nächsten Generationen weitergegeben. Wesentlich abgeschwächt hat es sich bei mir z.B. durch eine Verhaltenstherapie bei der Caritas (Heppenheim), was ich dankbar gerne weiterempfehle, sofern man über sich nachdenkt, warum bin ich so, was könnten Ursachen für ein falsches Verhalten von mir sein. Eine Chance, zu frischem Lebensmut und kraftvoller Stärke zurückzufinden, ohne in der Historie zu verharren.

Am 20. April 2024 hat nun in Pasewalk die neue katholische Pfarrei St. Johannes Paul II. ihren liturgischen Start mit Erzbischof Heiner Koch. Welche Chance wiederum für Deutsche und Polen, sich bei allen gegensätzlichen Vergangenheiten neu zu begegnen. Am 29.05.2019 empfahl ich dieses Patrozinium, nachdem ich bereits am 29.1.2017 mit der Einbeziehung der polnischen Pfarrei Neuwarp die deutsch-polnische Grenze für eine neue Kirchengemeinde St. Johannes Paul II. bistumsweit überschreiten wollte. Meine wegweisende Begründung: Vor Gott gibt es keine Polen und keine Deutschen. (Nikolaus von Kues: Alle Gegensätze laufen in Gott zusammen.)

Ob das Erzbistum Berlin wohl mindestens den Priester aus Nowe Warpno, Karol Wilczynski zum liturgischen Start der Pfarrei St. Johannes Paul II. mit einlädt? Ganz im Sinne des Heiligen, aber unzeitgemäß, werden wir leider keiner katholischen Priesterin am Altar folgen können. Ich verehre St. Johannes Paul II. sehr! Haben wir nicht zuletzt diesem Brückenbauer unsere Chance zur deutschen Wiedervereinigung zu verdanken. JP II.: „Habt Mut!“. Alles ändert sich, auch die Kirche. Sie muß es nur zulassen und den größten Teil des vatikanischen Kardinalsrats in Verhaltenstherapie schicken. Es lohnt sich.

In der Zwischenzeit könnte Papst Franziskus 7 Tage lang in der griechisch-orthodoxen St.-Porphyrius-Kirche in Gaza-Stadt täglich den Kreuzweg beten. Keinen Besuch machen, einfach in seinem weißen Habit dort, im Angesicht des Todes, für eine Kampfpause beten. Ich käme mit ihm. Alleine bin auch ich zu feige, zu viele Dinge stehen im Wege… Wer gibt dem Papst meinen Vorschlag zu lesen? Wir selbst sind die Ursache aller unserer Hindernisse (Meister Eckart).

Hermann Krämer, www.wahlrechtsreform.com

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